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Hadi al-Ameri ist neuer Stabschef der irakischen Paramilitärs

Abu Hassan im ewigen Widerstand

Portrait
Hadi al-Ameri
Hadi al-Ameri ist neuer Stabschef der irakischen Paramilitärs Foto: Daniel Gerlach

Schonungslos, aber nicht überheblich: Der neue Stabschef der irakischen Paramilitärs hat gelobt, seinen getöteten Vorgänger zu rächen. In der Politik ist Hadi al-Ameri kein Unbekannter – auch für die Amerikaner nicht.

Nachdem der Stabschef der irakischen Volksmobilisierung, Abu Mahdi Al-Muhandis, in der Nacht auf den 3. Januar durch einen amerikanischen Drohnenangriff getötet wurde, rückt nun ein erfahrener Politiker und Milizenführer nach. Ich traf ihn einmal im Dezember 2017 in seinem Haus in Bagdad zum Gespräch.

 

Hadi al-Ameri, von seinen Freunden Abu Hassan genannt, bemüht sich nicht um staatsmännisches Auftreten. Seine Umgangsformen sind eher hemdsärmelig. Volksnah und ungeschliffen, könnte man sagen, ohne ihn damit zu beleidigen. Abu Hassan lacht viel und gerne und entblößt dabei eine Lücke zwischen den Schneidezähnen, laut Volksmund ja angeblich ein Merkmal vieler von Natur aus fröhlicher Menschen. Sein grauer Haarschopf ist voll und bürstig geschnitten; der Nacken im Verhältnis so kurz und quadratisch geformt wie der ganze Mann darunter.

 

Den Respekt seiner Anhänger erwarb sich Abu Hassan nicht als politischer Redner oder gar als Intellektueller im Exil. In einer Zeit, in der der spätere Ministerpräsident Nuri al-Maliki im Damaszener Exil saß und sich mit dem Verfassen von Schriften und dem Aufbau oppositioneller Netzwerke befasste, fraß Ameri buchstäblich Dreck, und zwar im bewaffneten Untergrund. Er ist stolz darauf und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, weswegen er seine Verachtung nicht verhehlt für zwei Arten von Menschen, denen er im Nahen Osten des Öfteren begegnet ist: Vertreter westlicher Regierungen und Intellektuelle.

 

Ameri wurde 1954 in der heutigen Provinz Diyala geboren, einer ethnisch und religiös durchmischten Gegend an der iranischen Grenze, in der Sunniten, Schiiten, Araber, Kurden und Turkmenen leben. Ameri schloss sich früh dem schiitischen Widerstand gegen Saddam Hussein an und trat der Badr-Brigade bei, die bereits im Ersten Golfkrieg zwischen Iran und Irak kämpfte – allerdings auf Seiten der Iraner, im Verbund mit einer schiitischen Exil-Gruppe, die sich »Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak« nannte, aber, anders als die Iraner, keinen direkten Einfluss auf die Operationen der Badr-Brigade ausübte. Was die Badr-Brigade und ihre Anhänger wesentlich von anderen Schiiten im Irak unterschied, war, dass letztere unter dem Saddam-Regime leiden mochten, aber nicht daran dachten, zum Feind überzulaufen. Ohne Zweifel war Ameri ein Dissident, der die iranische Unterstützung nur nutzen wollte, um ein tyrannisches Regime zu stürzen. Aber er überschritt damit dennoch eine Linie, vor der andere zurückwichen.

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Von: 
Daniel Gerlach

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