Lesezeit: 9 Minuten
Neue Regierung in Israel und das Ende der Ära Netanyahu

Das hat sich Netanyahu selbst eingebrockt

Analyse
Neue Regierung in Israel und das Ende der Ära Netanyahu
Yair Lapid (l.), Naftali Bennett (M.) und Mansour Abbas (r.) bei der Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung am 3. Juni Ra'am-Partei

Eine Koalition unwahrscheinlicher Partner manövriert Israels gewieftesten politischen Überlebenskünstler aus. Dass Benjamin Netanyahus Tricks nun nicht mehr ziehen, hat mehrere Gründe.

Es brauchte schon dieses eine Foto, auf dem Yair Lapid, Naftali Bennett und Mansour Abbas am 3. Juni 2021 ihre Unterschrift unter die Koalitionsvereinbarung setzen, bis viele Israelis und auch politische Beobachter sich wagten, es auszusprechen: Die Ära Netanyahu ist vorbei.

 

Denn nicht ohne Grund hielt sich der Likud-Politiker, mit Unterbrechungen, zweieinhalb Jahrzehnte an der Spitze der israelischen Regierung, zu oft war sein politisches Ende herbeigeschrieben, zuweilen herbeigesehnt worden. Zu oft hatte der der 71-Jährige immer wieder seine Resilienz unter Beweis gestellt, seine politischen Rivalen geschickt ausgekontert, kooptiert und an ihren Wahlversprechen scheitern lassen.

 

Es mag auf den ersten Blick überraschen, warum Netanyahu diesmal nicht als Regierungschef aus den Wahlen hervorging, schließlich war er in seiner politischen Karriere schon mit ungünstigeren Konstellationen gestartet. Als er 1996 zum ersten Mal die erste Reihe der politischen Bühne betrat, hatte sein Likud die Wahlen eigentlich gegen die damals noch robuste Arbeiterpartei verloren. Doch die Direktwahl des Premiers – 2001 wieder abgeschafft – verhalf ihm schließlich ins Amt.

 

2009 musste sich seine Partei an der Urne der Likud-Abspaltung Kadima geschlagen geben. Dennoch ging Netanyahu aus den Verhandlungen als Regierungschef hervor, und nicht Kadima-Kandidatin Tzipi Livni, die die israelische Politik inzwischen verlassen hat.

 

Dem Premierminister gingen zuletzt die Optionen aus – sowohl politisch wie taktisch

 

Und auch in diesem Jahr entledigte sich Netanyahu seines vermeintlich ärgsten Konkurrenten: Benny Gantz, Ex-Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, war bei den vergangenen Wahlen angetreten, gegen Korruption in der Politik vorzugehen und Netanyahu aus dem Amt zu jagen. Stattdessen ließ er sich nach dem Wahlgang 2020 auf ein Machtteilungsmodell ein und fügte sich in die Regierung.

Um weiter zu lesen, kaufen Sie den Artikel oder werden Sie zenith Clubmitglied

zenith-Club-Mitglied werden

Werden Sie zenith-Club-Mitglied und Sie erhalten nicht nur das Printmagazin von zenith sondern freien Zugang zu allen kostenpflichtigen Artikeln. Mit der zenith-Club-Mitgliedschaft fördern Sie zudem die gemeinnützigen Tätigkeiten der Candid-Foundation.
1,99 €
Das hat sich Netanyahu selbst eingebrockt
79,00 €
zenith-Clubmitglied werden
Von: 
Robert Chatterjee

Banner ausblenden

zenith 1-21 Cover

Deal des Jahrhunderts

Vor 60 Jahren schlossen Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen, das beide Länder für immer verändert hat - zwischenmenschlich, weltpolitisch. Die neue zenith ist da, inklusive 35 Seiten Dossier zu Türken, Deutschen und Deutschtürken.