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Follow Friday: Frauen und die Proteste im Irak

Das ist ihr Platz

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Menschen aller Klassen und Religionen protestieren im Irak gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und das Muhasasa-System. Die neugefundene Solidarität vom Bagdader Tahrir-Platz hilft nun auch im Kampf gegen Corona. An vorderster Front: Iraks Frauen.

Ein zentrales Element der Protestbewegung, die seit dem Herbst 2019 Druck auf die Herrschenden im Irak ausübt, ist die hohe Beteiligung der Frauen, die für ihre politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung kämpfen. Der Fokus auf das Problem der Unterdrückung von marginalisierten Gruppen geht einher mit einer neuen Form des kreativen Protests: Das Besetzen öffentlicher Plätze, gemeinsame Abendessen und ein Angebot an medizinischer und psychologischer Hilfe durch Freiwillige veranschaulichen dieses Zusammengehörigkeitsgefühl.

 

Auf die Forderungen der Protestbewegung hat die irakische Regierung bisher mit Gewalt und Unterdrückung geantwortet, auf eine neue Regierung wartet das Land indes seit Monaten. Der bisherige Geheimdienstchef Mustafa Kadhemi ist mittlerweile der vierte Kandidat, der sich an einer Kabinettsbildung versuchen soll.

 

Die Demonstrierenden unterstützen einander auch in Zeiten des Coronavirus. Sie halten die Debatte in der Öffentlichkeit und leben Pluralität. Vor allem die irakischen Frauen stellen die traditionellen sozialen Normen täglich auf die Probe.

 

1.) Ruba Ali Al-Hassani

Ruba Ali Al-Hassani veranschaulicht in einem Dreiteiler für das Magazin Inside Arabia die Korrelation zwischen Korruption und der Ausbeutung von Frauen im Irak, die ihrer Ansicht nach in der politischen Ökonomie des Landes verankert ist. Sexuelle Belästigung trifft im Irak mehr als 68 Prozent der Arbeiterinnen und ist trotzdem nur lückenhaft dokumentiert. Auch die weitläufige Korruption im Land festigt diese Strukturen der sozialen Ungleichheit.

 

2.) Zahra Ali

Die irakische Soziologin und Autorin Zahra Ali hat gemeinsam mit der syrisch-libanesischen Frauenrechtsorganisation Women Now For Development einen Workshop zu kritischen feministischen Theorien und Praktiken auf die Beine gestellt. Der von westlichen Institutionen unabhängige Austausch zwischen Akademikerinnen stellt Material frei zugänglich zur Verfügung und soll Akademikerinnen der Region in ihrer Arbeit unterstützen.

 

3.) Haidar Hamdani

Der Fotograf Haidar Hamdani hat für den Bilderdienst der Nachrichtenagentur AFP medizinisches Personal porträtiert, das in Nadschaf von Corona betroffene Patienten versorgt. Schon seit Beginn der Proteste hatten viele Krankenschwestern und Ärztinnen den Demonstrierenden ehrenamtlich zur Seite gestanden. Die Bereitschaft für ziviles Engagement ist auch in der aktuellen Lage essenziell: Während Korruption und Missmanagement das Gesundheitssystem weiter belasten, haben sich zahlreiche freiwillige Helferinnen in den Krankenhäusern gemeldet.

 

4.) Rasha Al Aqeedi

Alltägliche Vergehen gegen Frauen sind von den strukturellen sozialen Normen im Irak nicht zu trennen. Genau deswegen sei die Revolution im Irak und in anderen Ländern des Nahen Ostens so wichtig, sagt Rasha Al Aqeedi, Redakteurin beim Webportal Irfaa Sawtak (»Erheb deine Stimme«). In ihrem Tweet berichtet sie von ihren eigenen Erfahrungen von Erniedrigung und Zurechtweisung in Mosul.

 

5.) Samya Kullab

Samya Kullab ist Irak-Korrespondentin für die Nachrichtenagentur Associated Press und berichtet über die Schwierigkeiten von Social Distancing im Irak und der Region, insbesondere für Männer. Kein gemeinsames Narguile-Rauchen an öffentlichen Orten, kein Kartenspielen in Männer-Cafés, kein Küsschen oder Händeschütteln zur Begrüßung und keine ausgiebigen Gespräche beim regelmäßigen Friseurbesuch.

Von: 
zenith-Redaktion

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