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Zu Besuch in einem iranischen Tierheim

Azadeh und die Tiere

Feature
von Ali Sooteh
Tierheim Iran
Vor einigen Monaten wurde dieser Hund von einem Auto angefahren und am Straßenrand zurückgelassen. Dank kontinuierlicher Pflege im Tierheim erholt sich das Tier langsam. Rasht, Iran (Mai 2020). Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Im Norden Irans hat die gelernte Buchhalterin Azadeh Mahjoub ein Heim für verletzte Tiere aufgebaut. Eine Fotoreportage von Ali Sooteh mit Unterstützung des Pulitzer Center und NVP Images.

Azadeh Mahjoub hat 2012 eine Auffangstation für verletzte Tiere in einem Vorort der nordiranischen Stadt Rasht gegründet. Die 39-Jährige ist eigentlich gelernte Buchhalterin und war früher an einer öffentlichen Universität beschäftigt. Doch ihren Job dort hat Azadeh gekündigt, um sich ganz dem Kampf für Tierrechte zu widmen. Um die Auffangstation zu betreiben hat sie ihren Hochzeitsschmuck verkauft und wird von ihrem Mann finanziell unterstützt.

 

Heute leben 150 Hunde und 70 Katzen in Azadehs Tierheim. Die meisten Tiere waren von ihren Vorbesitzern misshandelt worden, erlitten Verletzungen bei Verkehrsunfällen oder leiden an Krankheiten. Die Auffangstation ist die einzige in Iran, die Hunde mit Rückenmarkverletzungen aufnimmt. Vier Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere – es ist schwere Arbeit und das Gehalt gering. Könnte sie es sich leisten, müssten eigentlich doppelt so viele Menschen Azadeh bei ihrer Arbeit zur Hand gehen.

 

Trotz aller Sparmaßnahmen kostet der monatlichen Betrieb des Tierheims umgerechnet über 1200 Euro. Viel Geld, das normalerweise durch Spenden aufgebracht wird – doch die Wirtschaftskrise im Zuge der Corona-Pandemie macht es Einrichtungen wie dem Tierheim immer schwerer, genug Geld einzusammeln. Früher haben mehrere Restaurantbesitzer und die Vermieter von Hochzeitssälen die Einrichtung unterstützt – etwa mit Essensresten, die zu Tierfutter verarbeitet werden konnten. Doch viele Restaurants mussten selber schließen und so ist die finanzielle Zukunft des Tierheims ungewiss.

 

Tierheim Iran
Azadeh setzt einer Katze eine Spritze. Erkrankte Tiere werden in diesem Raum unter Quarantäne gestellt, bis es ihnen besser geht. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Hier fühlen sich die Tiere sicher. Dieser Hund wurde von zwei Frauen in einem Park vor Joggern gerettet, die das Tier quälen wollten. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Die Leitung des Tierheims erfordert Planung. Azadeh macht sich Notizen zur medizinischen Versorgung, den Einkauf von Medikamenten und Tierfutter. Rasht, Iran im Mai 2020. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Dieser Hund wird auf dem Operationstisch der Tierklinik behandelt. Er wurde zuvor von Menschen misshandelt. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Jeden Morgen werden alle Hunde in den Hof entlassen, damit das Personal die Schlafräume der Tiere putzen kann. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Seit vier Jahren arbeitet die eigentlich pensionierte Shahla im Tierheim. Sie ist für die morgendliche Fütterung der Tiere verantwortlich. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
Mahin ist eine von vier Mitarbeiter*innen im Tierheim. Ihr Arbeitstag beginnt noch vor Sonnenaufgang. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images

Tierheim Iran
In diesen Raum kommen die Hunde nach der Fütterung. Er ist gefliest, damit Frau Mahin die Reinigung einfacher fällt. Rasht, Iran (Mai 2020).Foto: Ali Sooteh / NVP Images
Von: 
Ali Sooteh

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