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Die afghanischen Taliban und der schiitische Milizenführer Mawlawi Mahdi

Der Taliban-Shuffle

Analyse
Maulana Mahdi arbeitet und kämpft nun für die Taliban.
Maulana Mahdi arbeitet und kämpft nun für die Taliban. Screenshot

Die Taliban ernennen erstmals einen schiitischen Hazara zum Gouverneur. Steckt dahinter strategisches Kalkül oder deutet sich eine Öffnung der bislang paschtunisch dominierten Gruppe an?

Was ist passiert?

Die afghanischen Taliban haben die Ernennung von Maulana Mahdi zum Gouverneur des Distrikts Balkhab in der nordafghanischen Provinz Sar-i Pul bekanntgegeben. Die Besonderheit: Der Milizenführer Mahdi ist der erste schiitische Hazara, der ein solches Amt bei den Taliban bekleidet. Eine am 24. April auf der Taliban-Plattform Al-Amara veröffentlichte Videobotschaft des erstmalig prominent in Erscheinung tretenden Gouverneurs sorgte in den sozialen Medien für einige Aufmerksamkeit.

 

Denn obwohl schon unter dem 2013 verstorbenen Taliban-Führer Mullah Mansur einige Tadschiken und Usbeken in die Führungsriege der Gruppe aufgestiegen waren, wird sie von sunnitische Paschtunen dominiert – Hazara wie Mahdi wurden während der Taliban-Herrschaft bis 2001 zumeist unterdrückt, mehrere Massaker an der mehrheitlich schiitischen Ethnie sind dokumentiert. Auch die Zerstörung der weltberühmten Buddha-Statuen in der Provinz Bamyian fand im kompakten Siedlungsgebiet der Hazara in Nord- und Zentralafghanistan statt, zu dem auch der Distrikt Balkhab gehört, den Maulana Mahdi nun für die Islamisten verwalten soll.

 

Aktuell wird der Bevölkerungsanteil der Hazara mit etwa neun Prozent der afghanischen Bevölkerung von etwa 37 Millionen angegeben. In dem von sunnitischen Paschtunen geprägten Vielvölkerstaat standen die Hazara über Jahrhunderte am unteren Ende der Hierarchie und sind erst seit der Verabschiedung der afghanischen Verfassung von 2004 rechtlich gleichgestellt. In Mahdis Videobotschaft werden nun laut der Nachrichtenseite The National versöhnliche Töne angeschlagen: Die Taliban seien »allen Menschen gegenüber aufgeschlossen (...) und Schiiten sind (..) Teil ihrer göttlichen Strategie«, so Mahdi laut einem Bericht der Website.

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Von: 
Florian Guckelsberger, Leo Wigger

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