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Follow Friday: Motorräder und Frauen in Iran

»Mama, warum sind alle Schilder so überrascht?«

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Jeden Freitag kuratieren wir fünf Twitter-Accounts zu einem bestimmten Thema. In dieser Woche: Motorräder und Frauen in Iran.

In Isafahan haben drei Frauen einen historischen Sieg vor Gericht errungen. Die Iranerinnen hatten dagegen geklagt, dass ihnen die Ausstellung eines Motorrad-Führerscheins verweigert wurde. Ende Juli entschied das Verwaltungsgericht zu ihren Gunsten. Auf Instagram teilten sie ihre Sicht auf den Prozess, nachdem erste Berichte über den Urteilsspruch die Runde gemacht hatten. In knapp zwei Tagen wurde das Video bereits über 8000 Mal aufgerufen. In den sozialen Medien treten Freude, Zustimmung, Skepsis und Widerstand gegen ein möglicherweise wegweisendes Urteils zutage.

 

Seit der Islamischen Revolution 1979 ist es Frauen in Iran nicht erlaubt, im öffentlichen Straßenverkehr Motorrad zu fahren. 2017 wurde allerdings eine Motorradstrecke für sie außerhalb von Teheran eröffnet und anders als lange Zeit in Saudi-Arabien, war ihnen das Autofahren stets erlaubt. Grundlage für das Verbot war aus Sicht der iranischen Behörden Artikel 20 des Gesetzes zur Verhinderung von Verkehrsstraftaten. Dort heißt es: »Nur die Verkehrspolizei ist bemächtigt, Männern Motorrad-Führerscheine auszustellen.«  Zwar wurde die Befugnis der Behörde auch Frauen einen Führerschein zu genehmigen an dieser Stelle nicht explizit negiert. Doch bis zu dem aktuellen Urteil, wurde das Gesetz so ausgelegt.

 

1.) Arash Azizi

Arash Azizi ist Journalist und Doktorand an der New York University. Auf seinem Twitter-Account macht er das Urteil des iranischen Verwaltungsgerichts öffentlich, in dem es heißt: »Das Führen eines Kraftfahrzeugs ist für iranische Frauen in keiner Bestimmung des Gesetzes verboten worden. Egal ob es sich um leichte oder schwere Fahrzeuge, Motorräder oder andere Kraftfahrzeuge handelt.« Die Nichtnennung von Frauen in Artikel 20 bedeute laut des Urteils nicht, dass ausschließlich Männern ein Motorradführerschein ausgestellt werden könne. Dennoch, so die Richter, sollten Frauen nur unter Aufsicht der Ordnungskräfte fahren.

 

 

2.) BBC Persian

Hadi Sadeqi, stellvertretender Leiter für kulturelle Angelegenheiten bei der iranischen Justizbehörde, spricht sich im Interview mit dem persischsprachigen Dienst der BBC gegen das Urteil aus. Auch er bezieht sich auf Artikel 20 des Gesetzes zu Verkehrsstraftaten. Der schiitische Rechtsgelehrte geht davon aus, dass das Urteil von höherer Instanz gekippt wird – die Verkehrspolizei habe bereits Berufung eingelegt.

 

 

3.) Shahrbanoo Amani

Anderer Ansicht ist Shahrbanoo Amani. Von 1996 bis 2004 war sie Abgeordnete im iranischen Parlament und wurde den Reformern um Ex-Präsident Mohamad Khatami zugerechnet. Heute ist sie Mitglied des Stadtrates von Teheran. Amani befürwortet die Entscheidung des Gerichts und meint: »Der Einsatz für die fundamentalen Rechte der Frauen muss verdoppelt werden.«

 

 

4.) Khabar Online

Khabar Online, eine der größten iranischen Nachrichtenagenturen, tweetet eine passende Karikatur. Das Mädchen fragt: »Mama, warum sind alle Schilder so überrascht?« Und die Mutter antwortet daraufhin: »Weil sie es nicht glauben können, dass ich einen Motorradführerschein erhalten habe.«

 

 

5.) Times Drive

Für Times Drive, die Motorsport-Show des indischen Nachrichtenkanals Times Now, lässt sich das Urteil auf das langjährige Engagement der iranischen Bikerin Maral Yazarloo-Pattrick zurückführen. Mit ihrer Kampagne »RideToBeOne« setzte sie sich dafür ein, dass Frauen in Iran die Führerscheinprüfung zum Motorradfahren ablegen dürfen. Teil ihrer Kampagne war eine Solo-Weltreise über sieben Kontinente. Die Fahrt begann im März 2017, nach 18 Monaten und Stationen in 64 Ländern erreichte sie Iran, wo sie sogar die Genehmigung erhielt, mit ihrem Motorrad das Land zu durchqueren. In ihrem Tweet beglückwünschte die Social-Media-Redaktion Yazarloo zu den neusten Entwicklungen in ihrem Heimatland. 

 

Von: 
zenith-Redaktion

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