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Lina Al-Hathloul über ihre in Saudi-Arabien inhaftierte Schwester Loujain

»Sie wollen meine Schwester brechen«

Interview
Interview mit der Schwester von Loujain Al-Hathloul
Seit 2018 ist Loujain Al-Hathloul in Haft.

Die saudische Aktivistin Loujain Al-Hathloul sitzt seit 2018 im Gefängnis. Ihre Schwester Lina ist auf freiem Fuß, kämpft von Deutschland aus für ihre Freilassung und sieht nun Berlin in der Pflicht.

zenith: Mitte November wurde bekannt, dass der Fall Ihrer Schwester Loujain Al-Hathloul an das saudische Sondertribunal für Terrorismusbekämpfung überwiesen wird. Welche Folgen hat das für den Prozess?

Lina Al-Hathloul: Das Gericht ist für seine harten Urteile bekannt. An den Anklagepunkten selber hat sich aber nichts geändert: Meine Schwester wird beschuldigt, an internationalen Konferenzen teilgenommen und mit Journalisten und Amnesty International über die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien gesprochen zu haben. Im ersten Prozess beantragte der Staatsanwalt die Höchststrafe, das waren ein paar Millionen Riyal und fünf Jahre Haft. Solange es bei diesen Anschuldigungen bleibt, wird es wohl nicht zu einem höheren Strafmaß kommen. Was nun genau passieren wird, ist aber schwer abzusehen. Wir hoffen natürlich, dass der Prozess beschleunigt wird, damit die Anklage endlich zugeben muss, dass es schlicht keine rechtliche Grundlage für die Anschuldigungen gibt; und meine Schwester bald freigelassen werden muss.

 

Wofür setzt sich Ihre Schwester genau ein?

Loujain war eine Anführerinnen der »Women Who Drive«-Kampagne. Da ging es um das saudische Fahrverbot für Frauen. Sie wurde 2014 zum ersten Mal in einem so genannten Pflegeheim interniert, im Grunde ein Gefängnis mit anderem Namen. Auch Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, werden dorthin geschickt sowie diejenigen, die von ihrem männlichen Vormund dorthin abgeschoben werden. In diesem Heim wurde meiner Schwester klar, dass das Problem nicht nur darin besteht, dass Frauen nicht Auto fahren können, sondern in der strukturellen Gewalt gegen sie. Als Loujain herauskam, weitete sie 2015 ihren Aktivismus aus. Sie gehört zu den Wortführerinnen einer an den König gerichteten Petition, die das Ende des Systems der männlichen Vormundschaft fordert. Außerdem versuchte sie, ein Frauenhaus für Opfer häuslicher Gewalt zu gründen.

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Von: 
Lila Tyszkiewicz

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