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Mitarbeiter-Mittwoch: Magdolin Harmina

»Wir reiten in Ägypten nicht mehr auf Kamelen«

Portrait
Magdolin Harmina
Foto: Luisa Seutter

Aus Anlass des 20-Jährigen Jubiläums von zenith stellen wir jeden Mittwoch einen Mitarbeiter. Diese Woche: Magdolin Harmina, Projektmanagerin bei der Candid Foundation. 

Über Magdolin:

Sie kommt aus Alexandria und hat in Kairo, Jackson/Mississippi und Osnabrück Politikwissenschaften und Öffentliche Verwaltung studiert. Ihre Masterarbeit hat sie über die Internetstrategien des IS bei der Rekrutierung und Radikalisierung von Jugendlichen geschrieben. Seit 2018 arbeitet sie als Projektmanagerin für die Candid Foundation, daneben schreibt sie auch für zenith – meistens über Ägypten und Syrien.

 

Wofür bist du in er Redaktion berühmt bzw. berüchtigt?

Für meine mangelnde Fußball-Begeisterung. Ich weiß, wer Mohamed Salah ist, aber an alle Jungs da draußen: Sorry, ich weiß nicht immer darüber Bescheid, wann er gerade wo auf dem Spielfeld steht.

 

Wie sieht Dein »perfekter« Arbeitstag bei zenith aus?
Jedenfalls nicht im Kostüm an einem heißen Berliner Sommertag. Danke, Klimawandel.

 

»Den Nahen Osten näherbringen« - Was bedeutet das für Dich?
Ich werde jetzt mal meine Frage, warum diese Region überhaupt »Naher Osten« genannt wird, und wer erst auf diese Idee gekommen ist, beiseite lassen. Dann bedeutet dieser Satz für mich zum Beispiel authentische und lokale Perspektiven in die Debatte um die Region einzubringen. Oder auch: Mit dem Vorurteil aufräumen, dass wir dort immer noch auf Kamelen reiten.

 

Welche zenith-Ausgabe ist dir am meisten in Erinnerung geblieben? (Warum?)
»Das Jahr ohne Ende« (1/2019). Sie erschien genau 40 Jahre nach diesem 1979, als die gesamte Region eine radikale Veränderung erlebte: unter anderem die Revolution in Iran, die Unterzeichnung des Friedensvertrages in Camp David zwischen Ägypten und Israel, Saddam Husseins Präsidentschaft, die Besetzung der großen Moschee in Mekka und die sowjetische Invasion Afghanistans. Das Besondere an dieser Ausgabe ist, dass sie all die Ereignisse aus einer persönlichen Perspektive beleuchtet, aus der Sicht von Menschen, die tatsächlich bei diesen Ereignissen dabei waren oder jedenfalls direkt betroffen. Diese ganz persönlichen Erlebnisse – auf die kommt es an.


Magdolin Harmina
Foto: Luisa Seutter

Welches Buch würdest du jedem weiterempfehlen?
Als erstes würde ich da Yuval Hararis Bücher »Homo Sapiens« und »Homo Deus« nennen. Nicht nur, weil sie einen unglaublich spannenden Überblick der Menschheitsgeschichte und der Rolle von künstlicher Intelligenz in der Zukunft vermitteln, sondern auch, weil diese Bücher eine Menge wichtiger philosophischer Fragen anstoßen und dabei auf viele interessante Quellen verweisen – sehr bereichernd. Außerdem würde ich noch David Fromkins Buch »A Peace to End all Peace« empfehlen. Es geht um den Niedergang des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkrieges und die Willkür bei der Schaffung nationaler Grenzen in der Region. Fromkin geht einer Menge von wenig beachteten Ursachen für die bis heute andauernden Konflikte in der Region auf den Grund.

 

Welches Gericht kochst du gut und gerne?
Koshari – aber nur für besondere Anlässe. Im Alltag habe ich keine Zeit, mit so vielen unterschiedlichen Zutaten zu kochen.

 

Wen wolltest du schon immer einmal interviewen?
Dr. Hany Farid, ein Professor für Computerwissenschaften an der University of California. Er ist so etwas wie ein Vorbild für mich, weil er versucht, mit Technologie die wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Kurz: Er hat eine Software entwickelt, die von Betreibern sozialer Netzwerke genutzt wird und es möglich macht, extremistische Inhalte, die zu Gewalt und Hass aufrufen, schnell zu erkennen und zu löschen. Ich hätte eine Menge Fragen an ihn.

 

Ein Ort, den du niemals vergessen wirst?
Den Flughafen von Kairo. Ich empfinde definitiv eine Menge gemischter Gefühle, wenn ich an diesen Ort denke. So etwas wie eine Hass-Liebe.

 

Ein Ereignis, das du niemals vergessen wirst?
Die ägyptische Revolution von 2011, persönlich sehr emotional und eine intellektuelle Achterbahnfahrt.

 

Warum würdest du Anderen empfehlen, zenith Club-Mitglied zu werden?
Ganz ehrlich: Dieser Club bietet ein ständig wachsendes Netzwerk und Einladungen zu vielen Events. Wenn du dich für den Nahen Osten interessiert, werde zenith-Club-Mitglied und du profitierst von beidem! Außerdem liest du dann vielleicht irgendwann mein Interview mit Dr. Hany Farid.

Von: 
zenith-Redaktion
Fotografien von: 
Luisa Seutter

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01. - 10. November 2019
Der Oman ist weltweit bekannt für seine atemberaubenden Landschaften und historischen Stätten, die am Golf ihresgleichen suchen. Der Oman ist aber auch aus kultureller und gesellschaftlicher Perspektive einzigartig. Staatsreligion des Omans ist zwar der Islam, die sehr tolerante und auf Koexistenz basierende Rechtsschule der Ibadiyah lässt aber auch viele andere Religionsgemeinschaften, darunter Christen und Buddhisten, erblühen. Wir bringen Sie in Kontakt mit Vertretern der verschiedenen Glaubensgemeinschaften und der omanischen Regierung, um eine lebhafte Debatte über Religion und Freiheit zu führen.