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Diplomatische Krise zwischen Marokko und Deutschland

Schweigen auf Augenhöhe

Feature
von Anna Ritz
Diplomatische Krise zwischen Marokko und Deutschland
Bundesaußenminister Heiko Maas und sein marokkanischer Amtskollege Nasser Bourita bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Ende 2018 IMAGO / photothek

Offiziell herrscht seit drei Monaten diplomatische Funkstille zwischen Marokko und der Bundesrepublik. Rabat listet drei Knackpunkte in den bilateralen Beziehungen auf – doch es geht auch um Grundsätzliches.

Das Schweigen reicht bis in die zenith-Redaktion: Die meisten Interview-Anfragen für diesen Text blieben unbeantwortet. Regierungskreise, Thinktanks, marokkanische Journalisten, Stiftungsmitglieder und Reiseanbieter können oder dürfen sich zur aktuellen Situation nicht äußern. Involvierte Akteure wirken spürbar angespannt und wollen keinen Fehler machen. In der öffentlichen Wahrnehmung, zumindest in Deutschland, schlägt das diplomatische Zerwürfnis zwischen Rabat und Berlin dagegen kaum Wellen.

 

Im Mai zog Marokko Botschafterin Zohour Alaoui aus Deutschland ab. Schon seit März ist eine Kontaktsperre in Kraft, die die deutsche Botschaft in Rabat und deutsche Institutionen in Marokko betrifft. Zwar stelle die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik weiter Reisepässe aus, Aufenthaltsverlängerungen und Unterstützung bei Rechtsangelegenheiten könne man aber derzeit nicht gewährleisten, heißt es auf einer Info-Seite der Botschaft.

 

Marokkos Außenminister Nasser Bourita hatte die Kontaktsperre angeordnet, das bezeugt ein Anfang März geleaktes Schreiben. Bemerkenswert: Das Kommuniqué mit den Anweisungen an marokkanische Dienststellen ist an seinen Vorgesetzten, Premierminister Saadeddine el-Othmani, adressiert. Das passt ins Bild: Seit seinem Amtsantritt 2017 verfolgt der Außenminister Marokkos Westsahara-Doktrin viel aktiver als seine Vorgänger.

 

Die Biden-Administration zeigt wenig Interesse, Trumps Westsahara-Entscheidung zu revidieren

 

Offiziell nannte Rabat am 6. Mai drei Gründe für die Funkstille. Erstens sei man über Deutschlands Haltung in Bezug auf die Westsahara enttäuscht. Zweitens beschuldigt man Deutschland, einem vermeintlichen Terroristen zu helfen, und drittens beklagt die Erklärung, dass Berlin Marokko bei der Gestaltung der Libyen-Politik außen vor lasse.

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