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Machtwechsel im Tschad

Was Dèbys Tod für den Sahel bedeutet

Analyse
von Mark Amaza
Was Dèbys Tod für den Sahel bedeutet
Idriss Dèby bei der Wiedervereidigung nach den Präsidentschaftswahlen 2016 Flickr / Paul Kagame

Tschads Langzeit-Präsident Idriss Dèby ist tot. Während die internationale Gemeinschaft dessen Sohn auf einen demokratischen Übergang verpflichtet, bangt Frankreich um die Stabilität seines wichtigsten Verbündeten im Sahel.

Nach dreißig Jahren an der Spitze des Landes und nur einen Tag, nachdem er zum sechsten Mal in Folge zum Präsidenten gewählt worden war, wurde Präsident Idriss Dèby Itno am 20. April 2021 von Rebellen getötet, die im Norden des Landes gegen die Streitkräfte des Tschad kämpfen. Einst war er selbst Teil einer Rebellengruppe und wurde tschadischer Präsident, nachdem er 1990 eine Offensive angeführt hatte, die den damaligen Präsidenten Hissene Habre stürzte. Dreißig Jahre lang war Dèby Präsident, um schließlich selbst von Rebellen getötet zu werden.

 

Obwohl Dèby 1996 den Übergang vom Militärherrscher zum gewählten Präsidenten schaffte, war der Tschad unter seiner Regierung alles andere als demokratisch: Wahlen waren weder frei noch fair, seine Gegner beklagten regelmäßig Schikanen und Einschüchterungen, Oppositionelle verschwanden. Um die Menschenrechte im Land stand es schlecht, die Pressefreiheit war nur garantiert, solange Dèbys Regierung nicht kritisiert wurde, und das Internet wurde routinemäßig abgeschaltet, einmal sogar für 16 Monate.

 

Dèbys Herrschaft war von Korruption geprägt, vor allem nachdem das Land ab 2003 zur Ölexportnation wurde. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er zwanzig seiner öffentlich bekannten Kinder in hohe Positionen berufen: sechs machte er zu Armeeobersten und einen zum Geheimdienstchef; fünf wurden Armeegeneräle, darunter Mahamat Kaka, der als Chef des Militärischen Übergangsrates nachrückt, der bis Oktober 2022 die Macht inne haben soll.

 

Mindestens sechs Umsturzversuche überstand das Dèby-Regime – nicht zuletzt dank Rückendeckung aus Paris

 

Dazu kommen noch seine Brüder, von denen einer Postminister und ein anderer Zollchef des Landes ist, sowie sein Neffe, Chef des militärischen Geheimdienstes. Dann gibt es noch die Geschwister einer seiner Ehefrauen und der First Lady Hinda Acyl, die er zu Ministern für Luftfahrt und Bildung ernannte. Der Tschad unter Idriss Dèby war ein Familienunternehmen.

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