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Türkische Intervention im Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis

High Noon am Mittelmeer

Analyse
Kämpfer an der Front in Tripolis
Kämpfer an der Front in Tripolis Foto: Mirco Keilberth

Der Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis geht in die entscheidende Phase. Präsident Serraj steht mit dem Rücken zur Wand und so wird es wohl die Türkei sein, die Europas Ansprechpartner vor den anrückenden Milizen rettet.

Bei dem Luftangriff auf eine Militärakademie im Zentrum von Tripolis sind am Samstagabend mindestens 30 Rekruten der Streitkräfte von Libyens Einheitsregierung ums Leben gekommen. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen wie die Rekruten auf dem Exerzierplatz der Hadba-Kaserne zum Abendappell antreten, als eine vermeintliche Rakete zwischen ihnen einschlägt. Über 20 weitere junge Männer liegen mit Verletzungen im Krankenhaus bestätigt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Noch in der Nacht bildeten sich vor mehreren Krankenhäusern lange Schlangen freiwilliger Blutspender, denn in der libyschen Hauptstadt herrscht ein Mangel an Medikamenten, Blutreserven und Verbandsmaterial.

 

Auf einer Pressekonferenz nannte Ahmed Al Mismari, Sprecher der Libysch-Arabischen Armee (LNA) die Akademie und den Flughafen von Tripolis legitime Ziele, da sie »von terroristischen Gruppen und für Waffenlieferungen aus der Türkei genutzt werden.« Dennoch gab Mismari einer Allianz aus Al Kaida, dem so genannten Islamischen Staat und den Muslimbrüdern die Schuld an der Attacke. Mitarbeiter der Militärakademie berichten, dass Trümmerteile eher auf Beschuss durch eine chinesische Wing Loong Drohne deuten, doch unabhängige Ermittler waren nicht vor Ort.

 

Nach dem Einschlag mehrerer Granaten im zivilen Bereich des Tripolitaner Mitiga-Flughafens wurde der Flugverkehr nach der kürzlichen Wiedereröffnung erneut eingestellt. Khalifa Haftar hatte zuvor zu einem Jihad gegen die geplante »türkische Invasion« aufgerufen und gewarnt dass die Häfen und Flughäfen Westlibyens für die türkische Truppenverlegung genutzt würden.

 

Haftars »Libysch Arabische Armee« (LNA) kontrolliert mit der Hilfe Ägyptens, Russlands, den Arabischen Emiraten und Saudi-Arabiens die östliche Cyreneika Provinz und damit die Mehrheit der Ölquellen Libyens. Tripolis und die vom Muammar Al-Gaddafi in die Hauptstadt verlegten staatlichen Institutionen sind hingegen in der Hand von Premier Fayez Serraj, unabhängigen Milizen und westlibyschen Armeeeinheiten. In der Akademie im Stadtteil Hadba werden jungen Männer aus ganz Libyen für den westlibyschen Teil der Armee ausgebildet und der Einheitsregierung unterstellt Haftar will nach seinem Sieg gegen die islamistischen Milizen in Bengasi nun auch Tripolis von den Milizen befreien. Doch in der Akademie sind die nicht stationiert.

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Von: 
Mirco Keilberth

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